Epistemics.de präsentiert ein Forschungsprojekt über die Bedingungen, unter denen Wirklichkeit für begrenztes Erkennen tragfähig wird. Im Mittelpunkt steht nicht die Behauptung eines neuen Weltbildes, sondern die Frage, wie Erfahrung, Orientierung, Modelle, Wissenschaft und geteilte Realität entstehen, stabil bleiben und korrigierbar werden.
Realität wird dadurch nicht entwertet. Sie ist nicht bloß erfunden. Aber sie wird auch nicht als vollständig bestimmbare Welt vorausgesetzt, die sich von selbst erklärt. Sie wird in Formen stabilisiert, die tragen, Widerstand leisten, gemeinsam aufgenommen, geprüft und bei Bedarf revidiert werden können.
Das Projekt untersucht, wie solche Realitätsformen entstehen, wie sie sich zu Orientierungsstrukturen und Modellen verdichten, wo ihre Geltung begrenzt ist und was geschieht, wenn bisherige Deutungen nicht mehr tragen.
Einen leichten Zugang bietet das Einführungsessay. Wer die Arbeiten systematisch verfolgen möchte, findet die Ordnung der Texte in der Paper-Übersicht.
Projektkarte
1. Grenze positiver Bestimmung
Realismus ohne Außen klärt, warum Realität nicht einfach als positiv bestimmbares Außen vorausgesetzt werden kann. Realität bleibt notwendig, aber ihr Außenanspruch wird begrenzt.
2. Endliche Ordnungsbildung
Kontingenzmechanik beschreibt, wie offene Möglichkeit durch Variation, Stabilisierung, Immanentisierung, Friktion und Reorganisation in tragfähige Ordnung überführt wird.
3. Vorformen von Modellfähigkeit
Vom Erfahrungsfeld zum Modell und Ontologisierung untersuchen, wie Erfahrung greifbar, anschlussfähig und referenzfähig wird, bevor explizite Modelle entstehen.
4. Epistemik
Epistemik analysiert Orientierungsstrukturen, Modellgeltung und Revision unter endlichen Bedingungen: mit Kosten, Friktion, Domänen, Suche, Falsifikation und kontrollierter Korrektur.
5. Realitätsordnungen
Theorie der relativen Realität, Jenseits von Physik und Metaphysik, Die intersubjektive Domäne und Geteilte epistemische Realität differenzieren subjektive, intersubjektive und funktional-empirische Geltungsräume.
6. Anwendungen und Grenzanalysen
Kosmologisches Weltmodell und Grenzen des Selbst zeigen exemplarisch, wo Modellarchitekturen, Einheitsansprüche und Ontologisierungen ihre eigenen Bestimmungsmittel überschreiten.